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Bolognagipfel in Wien rückt näher!

Bolognagipfel Wien

Vom 11. bis 12. März werden die Bildungsminister*innen 46 europäischer Staaten zur 10-Jahre-Jubiläumskonferenz des Bologna-Prozesses nach Wien und Budapest geladen. Angesichts der Zustände an den Universitäten und den breiten Protesten für freie Bildung sind die geplanten Feierlichkeiten eine Verhöhnung der Uni-Angehörigen.

Der Bologna-Prozess hat nicht zu mehr Dynamik und Mobilität im europäischen Hochschulraum geführt. Im Gegenteil: Die stark verschulten Studienpläne und der Druck, diese in Mindeststudienzeit zu absolvieren, erschweren es, Auslandssemester zu machen. Das neue dreistufige Studiensystem führte zu erhöhter sozialer Selektion. Während der Bachelor einer größeren Zahl zugänglich sein sollte, verdünnen sich Master und PhD zu einem Eliteprogramm, das vor allem Frauen ausschließt. Zudem kommt die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen, sowie die Einführung von Studiengebühren und vermehrter Demokratieabbau an den Universitäten. Die schwierige finanzielle Lage zwingt mehr und mehr Hochschulen Konzerne als Investoren für Forschung an die Universität zu locken. Unabhängige und freie Forschung wird dabei unmöglich. Die Ausrichtung der Lehrinhalte auf Arbeitsmarkt-Interessen im Zuge der Lissabonstrategie betrifft nicht nur Universitäten, sondern soll zur Leitlinie des gesamten Bildungswesens werden. Dies schränkt die Möglichkeit ein, selbstbestimmt und kritisch zu lernen.

Angesichts dieser desaströsen Lage sehen wir keinen Grund das 10-jährige Bestehen der Bolognareform zu feiern. Die europaweiten Proteste unter Studierenden, Lehrenden und Schüler*innen zeigen, dass die Politiker*innen nicht mehr über unsere Köpfe entscheiden können. Deshalb wollen wir am 19.01 eine Streikversammlung abhalten.

Komm, beteilige dich! Versauen wir gemeinsam die Feierlichkeiten! Keine Party ohne uns!

BILDUNGSSTREIK 2010

Die Protestbewegung und die Hörsaalbesetzungen im Spätherbst 2009 haben deutlich gemacht, welches Potential in der Bildungsstreikbewegung steckt. StudentInnen und SchülerInnen, ArbeiterInnen und Gewerkschaften, Hochschulpersonal und weitere Teile der Gesellschaft haben deutlich gemacht, dass sie nicht gewillt sind dieses Bildungssystem in der jetzigen Form weiter mitzutragen. Zusammen haben sie das Heft des Handelns in die Hand genommen und sich gegen eklatante Fehlentwicklungen gewehrt.

Unsere Proteste wehren sich gegen:

- die eklatante Unterfinanzierung aller(!) Bildungsinstitutionen

-die Ökonomisierung aller Lebensbereiche, v.a. der Hochschulen

- jegliche Art von Bildungsgebühren

-die soziale Selektion im Bildungsbereich, die in der KiTa anfängt

-den massiven Leistungsdruck an Schule, Uni und im Berufsleben

Gemeinsam stehen wir ein für:

-Selbstbestimmtes Lernen und Leben

- mehr Teilhabe an Entscheidungsprozessen

-ein Bildungssystem ohne Zwang und Repression

-Solidarisches Lernen mit- und voneinander anstatt Konkurrenzdenken

Wir stehen erst am Anfang!

Nach wie vor sind verschiedenste Menschen weltweit aktiv und entwickeln die Bewegung weiter. Die Hörsaalbesetzungen sind als Symbol zu verstehen und können nur der Anfang gewesen sein. Immer noch sind die meisten unserer Forderungen nicht ansatzweise erfüllt. Dies kann nur erreicht werden, wenn wir den Druck aufrecht erhalten und weiter unsere Anliegen kommunizieren. In den Gremien und Arbeitsgruppen, in Hörsälen und Seminarräumen, auf Kundgebungen, Flashmobs und anderen Aktionen, auf Veranstaltungen und im persönlichen Austausch mit DozentInnen, Mitstudierenden, Hochschulpersonal und externen Gruppen. Elementar wichtig sind auch die Kontakte nach außen- zu anderen gesellschaftlichen Gruppen, SchülerInnen usw.

Im Folgenden sind einige Möglichkeiten aufgelistet aktiv zu werden:

Berlin- und bundesweit:

17.01 Treffen der AG Zöllnergespräch(Bildungssenator) an der HU
29.01 gemeinsame Aktion von Berliner Studis und Schülis(Zeugnisvergabe)
30.01 bundesweite Demo in Frankfurt a. Main
05.-07.02 Vernetzungstreffen in Bielefeld

Europaweit:

11./12.03 Bolognagipfel Uni Wien–Alternativgipfel zu den Feierlichkeiten zum 10-jährigen Bolognaprozess-Jubiläum in Wien und Budapest

Weitere Infos:www.unsereunis.de, www.bildungsoffensivekhsb.blogsport.de

Demo in Frankfurt am 30.01

Frankfurt 30.01

Die Uni gehört allen!

Die Ausrichtung aller Lebensbereiche auf ihre Verwertbarkeit verschärft sich. Flankiert wird diese Entwicklung durch autoritäre Maßnahmen und die Kriminalisierung sozialer Widerstände. Stechuhren, Hartz IV, Ausbildungsplatzmangel, Exzellenzinitiativen, Selektion an Schulen und Hochschulen, Abschiebungen und „blue cards“ nur für „hochqualifizierte“ Migrant_innen, all das sind nur einige Kennzeichen einer ausgrenzenden Gesellschaft. Einer Gesellschaft, in der nicht die Menschen und ihre Bedürfnisse, sondern ihre Verwertbarkeit im Mittelpunkt steht.

Die Frankfurter Stiftungsuniversität kann hierfür als eine der Pioniere gelten. Studierende besetzten dort Ende November eines der Gebäude der Goethe-Uni, das regelmäßig an Konzerne vermietet wird. Sie wollten dort Raum und Zeit für eine kritische Auseinandersetzung schaffen. Am 02.12.2009 wurde dieser studentische Protest gewaltsam durch die Polizei beendet. Seitdem herrscht Ausnahmezustand an der Frankfurter Universität: Kritischen Studierenden drohen die Zwangsexmatrikulation und Strafverfahren, immer wieder patrouilliert Polizei auf dem Campus und der Universitätsbetrieb wurde mehrfach durch Aussperrungen lahm gelegt.

Auch in vielen anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens kommt es immer öfter zu sozialen Konflikten. Arbeiter_innen, Azubis, Schüler_innen, Studierende, von Abschiebung Bedrohte, Erwerbslose und andere gehen auf die Straße. Dabei verweisen all diese Proteste auf die Möglichkeit einer gemeinsame Forderung: Die gesellschaftlichen Verhältnisse haben sich nach den Menschen zu richten, nicht nach Profitinteressen. Die Organisierung der Gesellschaft muss von den Menschen selbst bestimmt sein. Um wirklich etwas zu verändern, müssen wir genau dies als gemeinsames Ziel formulieren und erkämpfen.

Statt den kürzenden, ausschließenden, überwachenden Staat um Hilfe anzurufen, müssen wir gemeinsam auf die Straße gehen und dafür kämpfen, dass die Schule unsere Schule, die Uni die Uni aller, die gesellschaftliche Produktion nach den Bedürfnissen aller – das Leben ein selbstbestimmtes Leben sein soll. Die Uni gehört Allen! Für freie Bildung und ein selbstbestimmtes Leben! Unser Leben in unsere Hände! Für die radikale Demokratisierung aller Lebensbereiche!

In Berlin arbeitet eine AG an der Mobilisierung nach Frankfurt. Es wird sehr wahrscheinlich auch günstige Möglichkeiten geben mit dem Bus zu fahren! weitere Infos: www.unsereunis.de, www.bildungsoffensive.blogsport.de und hier!!

Off the beaten track Teil 6

Aachen, 27.08 Acht Uhr morgens

Alter, bin ich fertig! 150 Minuten Schlaf vor unsere Drei-Etappen-Tour von Brüssel nach München und morgen ins Weinviertel in Niederösterreich. „ Is this bus driving to the Hauptbahnhof?“ Was weiß denn ich, denk ich und murmle: “Don´t know! My first time in Aachen!” Wir stehen am Aachener Busbahnhof, der am Arsch der Welt in einem Industriegebiet liegt. Was ist das überhaupt für ein Typ? Der Anzug lässt auf Versicherungsvertreter schließen. Die Sonnenbrille auf Gigolo. Na toll, ne halbe Stunde warten! “Where are you from?“ Jetzt fängt der auch noch ein Gespräch an.“ Berlin!“ – „Oh, B-E-R-L-I-N! Interesting!“ Schweigen. Nach quälend langen fünf Sekunden frage ich ihn aus Höflichkeit, woher er denn komme.“ Born in wales. Grew up in Sambia. Studied in Pretoria and Harvard. Now I´m living near Düsseldorf. But I lived in 24 different places since I finished my studies!” Versicherungsvertreter ist der schon mal nicht. Gigolo ist auch unwahrscheinlich. Irgendwie doch interessant der Typ! Ich frage ihn:„ What´s your job?“ – „I am working for a oil company from Saudi-Arabia. I am an analyst!” Aha. Wenn das stimmt arbeitet er wahrscheinlich für die Freunde von George W. Ich lasse ihn wissen, was ich davon halte. Nichts nämlich.
„ Fuck Bush! I will get arrested, if I would be travelling to the U.S.“ Verstaatlichungen von Ölvorkommen wie in Brasilien oder Venezuela findet er auch gut. Leider ist er auch ein Fan von „my old friend Ahmadenidschad!“ Unterdrückung der Opposition im Iran? „ Created by the C.I.A.“ Drohungen gegen Israel: „ I hate all Israelis! Once I had a beautyful girlfriend from Libanon. She visited her family for a weekend. That was during the war in the 80s. They bombed her hometown. I never saw her again.” Seine Stimme zittert. Ich bin sprachlos. „ She was murdered by the state of Israel! I travelled a lot in this region. Never met a nice Israeli!” Ich entscheide mich das Thema zu wechseln.

„ What did you do in the last days?“ – „ I´ve been working in Spain, France, Switzerland, England and Belgium in the last four days. I didn´t sleep a single hour in the last three nights!” Was er den genau mache, will ich wissen. “Working for a oil company from Saudi Arabia!” – “ But what do you do exactly?” Zugeknöpftes Schweigen. Er zieht seinen Pass raus, hält in mir unter die Nase und sagt: „ I´ve got to hide my origin when I´m working in the Middle East.“ Der Mann auf dem Pass hat lange graue Haare und einen Vollbart. Vor mir steht ein Mann mit kurzen Haaren und vorbildlich glatt rasiertem Bart. Man erkennt trotzdem, dass er der Typ auf dem Passfoto ist. Langsam fange ich an, ihm die Geschichten zu glauben und an meinem Geisteszustand zu zweifeln. „ I am speaking nine languages and three arabian dialects. That´s necessary for me to survive.”
Für einen kurzen Moment überlege ich einen Vorschlag fürs nächste Bond-Drehbuch einzureichen. Der Bus kommt, wir steigen ein. Livia schaut irgendwie wütend aus. Später erzählt sie mir, dass der Typ sie ignoriert habe und ein komischer Freak sei. Mit beidem hat sie wahrscheinlich recht. Er selbst versteht sich als Gentleman und wird leiser wenn er über die Amis flucht oder Gaddafi oder die Israelis. „ There´s a lady next to us, you know!“ Er grinst. Sein Mitteilungsbedürfnis ist riesig: Sein Vater sei ein analphabetischer Flugzeugmechaniker gewesen, der ihn auf die Militärschule der britischen Krone in Sambia schickte. Als einziger ohne Camouflage-Einsatz. „ You know what that means!“ Später will er sich mal auf Capri niederlassen, in „Bella Italia!“. Das nötige Kleingeld scheint er zu besitzen. „ I don´t know, where to put my money to!“. Wenn das alle stimmt, bin ich der Osterhase, denk ich. An der Bushaltestelle am Aachener Hauptbahnhof trennen sich unsere Wege. Er will uns noch auf einen Kaffee einladen. Wir lehnen höflich ab und holen uns fünfzig Meter weiter einen. Weiß der Herrgott, weshalb!

„ Du glaubst dem das nicht etwa wirklich?“ – „Hmmm, weiß nicht!“ Livia schüttelt den Kopf und sieht mich mitleidig an. Vielleicht will ich seine Geschichten glauben. Vielleicht fasziniert mich diese seltsame Märchenwelt für Erwachsene. Oder aber meine Menschenkenntnis ist größer als mein Realismus und der Typ hat tatsächlich die Wahrheit erzählt. Im Bahnhofskiosk fällt mein Blick auf eine Titelseite der vielen Gazetten: „ Brasilien plant Verstaatlichung von neuentdeckten Erdölvorkommen im Atlantik.“ Das wird mir jetzt zu krass. Daneben liegt der „kicker“. Ich kaufe ihn und widme mich den schönen Dingen des Lebens. Lewis Holtbys Ballkünsten zum Beispiel.

Off the beaten track Teil 5


Ljubljana, 05.09.09, 23:30 Uhr

„Ich will Fritten! Und mehr Bier!“ Ich liebe es wenn Frauen das tun und sagen, was sie wollen. “Absolut!“, antworte ich „Aber nur die von Le Flagey!“ Trotz der Unpässlichkeit belgischer Fritten und unserer Faulheit, die weiteren Bierkonsum verhindert sitzen wir in einem überraschend schicken Hostel im Gemeinschaftsraum. Begeistert von einem Konzert in einem anderen Hostel, das sich in einem alten Gefängnisgebäude befindet. Wäre Fatih Akin hier gewesen, er hätte dieses 12-köpfige Projekt vom Fleck weg für seinen nächsten Film-Soundtrack engagiert. Hundert Pro!“ Welche Sprache ist das?“ fragt mich Livia. „Kein Plan. Ist auch wurscht eigentlich!“ Später erfahren wir, dass es sich um Musikstudenten aus Slowenien, der Türkei und Italien handelt. Ohne Namen, geschweige denn einen MySpace-Auftritt. Diese Musik ist für den Moment gemacht. Das hier ist die Quintessenz von Live-Musik. Einfach nur mind-blowing. Es heißt über Musik zu schreiben ist wie zu Architektur zu tanzen. Word!

Machs gut, 2009! Bin dann mal im neuen Jahrzehnt!

Was ich an dir vermissen werde:
Die Reise nach Brighton, Canterbury, London im März, den Roadtrip von Ende Juli bis Ende September u.a. mit den Stationen Wien, Weinviertel, Lac de Narlay, Puy de dome, Paris, Brüssel, Budapest, Ljubljana, Piran, Soca-Tal…, Den Bildungsstreik im Juni(v.a.Bankenbesetzungen!!), die zwei Tage nach der Besetzung der Uni Wien(rechteckige Augen wegen dem Live-Stream ausm Audimax), Audimaxismus, die Besetzungen in Berlin, die in den Unis abgefeierten neuen Besetzungen weltweit, die Soliaktionen für Wien Anfang November, die Soligrüße aus Berkeley, Lublin, Paris, die Verbrüder- und schwesterungen mit den Reinigungskräften, SchülerInnen und anderen außeruniversitären Gruppen im Bildungsstreik…, die zahllosen Bandproben und Jamsessions, megageile Konzerte(z.B. LA BRASS BANDA oder Funny van Dannen oder….), die Fusion, stundenlanges, melancholisches Gitarrespielen aufm Sofa, tatsächlich sogar ein paar Lehrveranstaltungen(v.a. aber die alternativen während der Hörsaalbesetzung), die Menschen, die ich neu kennengelernt habe, die alten Freunde, die ich neu kennenlernen durfte, den Garten am Zeltner-Weiher, den Aufstieg vom Club und v.a. den Stadionbesuchim entscheidenden Spiel in Cottbus und die UEFA-Cup-Spiele in Bremen gegen HSV & Udinese und wahrscheinlich noch viel mehr, was mir jetzt entfallen ist.

Was ich nicht an dir vermissen werde:
Angst und Konsum, Schwarz-Gelb im Bund, Rot-Rot in Berlin, „Kopftuchmädchen“– Sarrazin, die Versager in Kopenhagen, die Festung Europa und Abschiebungen, Friedensnobelpreis für Obama, den Obama-Hype im Allgemeinen, Fundamentalisten im Iran und in Israel, die Faschos in Süd-Neukölln und anderswo und v.a. die Drecksäue, die im Sommer fast jemanden an der Frankfurter Allee tot geprügelt haben( Möget ihr in der Hölle schmoren!), Gleichsetzung von sog. „Linksfaschisten“ und Rechtsextremen, angeblich politische Zündel-Kiddies, Gentrification in F´Hain,Kreuzberg, Neukölln und sonstwo, die Räumungen z.b. in der Brunnen 183 oder an der Uni Wien, das siebenmonatige Einsperren von offenbar unschuldigen Waldorfschülern, allgemein Polizeiwillkür und Amnestie für Polizisten, die Oenning-Entlassung in Nürnberg, den Selbstmord von Robert Enke(R.I.P.), Bafögamt-Dreck!, aufreibende, sinnlose Diskussionen in Plena in div. Audimäxen, Konformismus und noch viele andere Dinge

Was ich zum Glück niemals vermissen muss sind alle Menschen, die mir in welcher Art und Weise auch immer nahe stehen:
Ich wünsch euch allen nur das Beste für 2010!

Off the beaten track Teil 4

Budapest, 03.09.09 Mittagszeit

Jiddische Klezmer-Musik erfüllt den Gebetsraum der zweitgrößten Synagoge Europas mit Leben. Seit einer Woche findet hier im siebten Bezirk von Ungarns Hauptstadt ein jüdisches Festival statt. Hier wurden während des 2.Weltkriegs die Juden Budapests von den Nazis zusammen getrieben. In diesem Ghetto wurden zehntausende von ihnen ermordet. Viele der Opfer liegen hier im Garten der Synagoge in Massengräbern. Der Tourist Guide winkt mit der deutschen Fahne um die deutschsprachigen Gruppe herumzuführen. Peinlich berührt und mit gesenktem Kopf gehe ich zur Gruppe. Wie seltsam, wie schizophren es ist in diesen Gemäuern der deutschen Fahne hinterherzulaufen. Alles in mir sträubt sich. Hier bist du immer noch Täter, auch ohne eigene Tat. Nicht weil dich jemand schief ansieht oder angreift, sondern weil die Scham aus einem selbst hochkommt. Es ist ein ähnliches Gefühl wie vor ein paar Jahren, als ich in der Gedenkstätte in Auschwitz vor den Bergen von siebzig Jahre alten Kinderschuhen stand. Neben dem hinter einem Plexiglas versteckten riesigen Haufen, stand ein Fenster offen. Darunter lag eine riesige Lache Erbrochenes. Hass, Ohnmacht, Sprachlosigkeit.

„ Des isch etz aber scho a weng schwach für desch Geld!“- Hat die das jetzt wirklich gesagt?- „Die“ ist eine dicke, große, grobschlächtige Schwäbin mit dem Eifer in den Augen und dem Gafer am Kinn. „Halt´s Maul!“ denk ich und dreh mich fremdschämend weg. Mehr klischeedeutsch geht nicht, mehr Dumpfheit auch nicht. Der Guide lächelt den Affront freundlich weg und führt uns zur zweiten von vier Stationen. Auf dem Weg frage ich mich was schlimmer ist: die unfassbare Ignoranz oder die Taktlosigkeit dieser Frau. Ich erwische mich dabei, dass mir klar wird warum „Schwab“ in Polen ein Schimpfwort für Deutsche ist. Da ist sie wieder: die Fehlbarkeit des Menschen. Es schmerzt.

RÄUMUNGEN IN BERLIN VERHINDERN!

liebe Kommiliton_innen, liebe Mitstreikende,

gerade kam von den Streikenden Studiereden der Freien Universität die Information, dass absehbar ist, dass das Präsidium morgen (heute) am 23.12. den Hörsaal HS1a räumen lassen will, um das ganze noch vor Weihnachten beendet zu haben.
Es ist auch davon die Rede, dass sich die Hochschueitungen abgesprochen haben und morgen mehrere besetze Hörsääle in Berlin auch mit Hifle von zivilen Polizisten etc. räumen lassen wollen.
Es wäre ärgerlich, wenn auch in den HS, wo noch was los ist und auch über Weihnachten noch was los sein könnte, auf Grund mangelnder Unterstützung die Besetzungen beendet werden würden.
Also, bitte, an alle, die noch in Berlin sind: Kommt morgen um 11:30Uhr zur FU in den HS 1a in der Silberlaube in der Hittorfstr.45!!
Dort ist die Gefahr einer Räumung am akutesten und vorallem wäre es dort besonders ärgerlich, da an der FU noch relativ viel los war.
Also, bitte, rafft euch nochmal auf. Die streikenden Studierdenden haben sich in den letzten Wochen für euch/uns alle wahnsinnig eingesetzt. Also kommen wir vor Weihnachten nochmal zusammen und verteidigen den geschaffenen Freiraum an der FU, damit dort weiter alternative Veranstaltungen und Diskussionen stattfinden können!
Auch Uni Potsdam und HU sind akut räumungsbedroht!
Haltet Augen und Ohren offen!

--> MORGEN, 23.12.2009, 11:30, HS 1a in der Silberaube an der FU!!!! < --
--> MORGEN, 23.12.2009, 11:30, HS 1a in der Silberaube an der FU!!!! < --
--> MORGEN, 23.12.2009, 11:30, HS 1a in der Silberaube an der FU!!!! <--

Bolognagipfel in Wien

Am 11./12. März 2010 wollen die BildungsministerInnen der EU-Staaten das zehnjährige Bologna-Prozess-Jubiläum in Wien und Budapest feiern. Anlässlich dieses Termins haben die AktivistInnen in Wien angefangen einen Gegengipfel auf die Beine zu stellen. Es wurden bereits dutzende Bündnisse in ganz Europa angeschrieben und eingeladen. Zusätzlich zu den Blockaden, Aktionen, Demos etc. sollen auch Veranstaltungen in der Uni stattfinden. Thematisch ist dieser Teil völlig offen ausgelegt. Ausdrücklich wurde betont, dass jeder/jede die Möglichkeit hat sich einzubringen. Sei es mit einem Workshop, einem Vortrag oder Sonstigem. Vergangenen Samstag, 19.12, fand bereits das erste Planungstreffen statt, zu dem auch drei Berliner Studenten(FU,HU,KHSB) anreisten. Dort wurden die ersten Schritte v.a. zur europaweiten Mobilisierung gemacht.
Am 9.Januar wird es in Wien das nächste Vorbereitungstreffen geben, bei dem jede/jeder willkommen ist.
Für Februar haben die Sorbonne in Paris und die Uni Bologna zu Treffen eingeladen, die
sich auch mit dem Bologna-Gegen-Gipfel auseinandersetzen werden.
Ausdrücklich ist zu betonen, dass eine gemeinsame europäische Planung und Durchführung erwünscht ist. Das Treffen soll ein deutliches Zeichen gegen die Feierlichkeiten zum Bologna-Prozess setzen.

Es gibt nichts zu feiern und das werden die Damen und Herren MinisterInnen in Form von Demos, Blockaden und anderen Formen des Widerstands zu spüren bekommen.

Lasst uns gemeinsam ein deutliches Zeichen gegen die europäische Bildungspolitik setzen! Lasst uns gemeinsam die Bolognaprozess-Feierlichkeiten im März in Wien stören! Lasst uns gemeinsam nehmen was uns gehört!

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Auch in Berlin hat sich bereits eine AG Bolognagipfel gegründet, die sich am 04.01.10 um 19 Uhr im Audimax der HU trifft. Der Bologna-Gegen-Gipfel wird auch Thema beim berlinweiten Aktiventreffen am 07.01.10 ebenfalls in der HU sein.

weitere Informationen:

für bundes- und berlinweite Mobilisierung: ag.bologna.berlin@googlemail.com

KHSB: bildungsoffensive.khsb@yahoo.de

Uni Wien: www.unsereuni.at

und wie immer: www.unsereunis.de, www.bildungsstreik2009.de

und natürlich auf diesem Blog!

Audimax der Uni Wien geräumt

Heute, 21.12, gegen 6:30 Uhr wurde in Wien das seit 22.Oktober besetzte Audimax geräumt. Die BesetzerInnen leisteten keinen Widerstand, weil „das sinnlos gewesen wäre“, so ein Student wörtlich. Obwohl eine politische Lösung in greifbarer Nähe war, entschloß sich die Hochschulleitung für den Weg der Repression. Angeblich hätte sich die Sicherheitslage durch die große Anzahl von Obdachlosen massiv verschlechtert, es hätte eine gravierende „Drogenproblematik“ und Probleme mit dem Brandschutz gegeben. Auch eine angeblich zunehmende „Gewaltbereitschaft“ wurde festgestellt. Sowohl Studierendenvertreter, Vertreter von Parteien und eine Hilfsorganisation für Obdachlose kritisierten die Räumung als unangemessen.

Der Leiter der Wiener Wohnungslosenhilfe Markus Reiter bezeichnete die Räumung als „wirkliche Schweinerei“ und als „humanitären Wahnsinn“. Auch die Aussage der HL, wonach mit dem Caritas-Verband eine Lösung für die Unterbringung der Obdachlosen gefunden wurde sei schlichtweg falsch. Bei der Caritas wusste offenbar um acht Uhr, zwei Stunden nach der Räumung, noch niemand von einer Zusammenarbeit mit Behörden und Hochschulleitung.

Der internationale Solidaritätspakt, der am Wochenende vom bundesweiten Vernetzungtreffen in Potsdam beschlossen wurde, tritt also ab sofort in Kraft. Der Pakt sieht systematische Protest- und Solidaritätsaktionen im Falle einer Räumung einer besetzten Hochschule vor. Es ist also davon auszugehen, dass noch heute in vielen Städten Spontandemonstrationen stattfinden werden.

Nähere Informationen u.a. hier: www.unsereunis.de, www.unsereuni.at, www.bildungsstreik2009.de

Vienna calling…

Next stop: Vienna University Audimax. Yeah.
Vorbereitungstreffen für den Bildunggipfel im März ist angesagt: www.unsereuni.at
It has to start somewhere, it has to start sometime. What better place than here, what better time than now?
Und um das Plakatieren abzuschließen: Hoch die internationale Solidarität! ;)
CU on the streets!

Redebeitrag KHSB-VV 19.11.

Heute genau vor vier Wochen wurde das Audimax der Uni Wien von ca. 1500 Studierenden gestürmt und für besetzt erklärt. Diese radikale Form des Protests ist Ausdruck einer Wut über die Studienbedingungen in Österreich und die Gesetzesvorhaben von Bildungsminister Hahn. Statt Studiengebühren, höheren Zulassungsbeschränkungen und Repressalien fordern die Wiener: Den Stopp jeglicher Diskriminierung, die Demokratisierung der Universitäten, keine Ökonomisierung der Bildung und selbstbestimmtes Studieren.
Diese Ziele sind fast deckungsgleich mit denen des deutschen Bildungsstreiks.

Die Proteste in Österreich waren der Startschuss für eine europa-, ja sogar weltweite Aktionswelle von Uni-Besetzungen über Großdemonstrationen bis hin zu Flashmobs und vielen anderen kreativen Formen des Protests. Die Liste der Schauplätze wird jeden Tag länger:
Wien, Innsbruck, Heidelberg, Berlin, Lublin, Rom, London, Berkeley, Basel usw.
In Deutschland waren die Großdemonstrationenan Dienstag erst der Anfang für eine Reihe von Aktionen im Rahmen der „ Global Action Weeks“. Am 24. November werden die deutschen Hochschulrektoren in Leipzig tagen. Die Mobilisierung für Gegenaktionen läuft auf Hochtouren. Und gut zwei Wochen später am 10. Dezember wird der Kultusministerkonferenz in Bonn ein wahrscheinlich nicht sehr angenehmer Besuch von hoffentlich einigen Tausend Leuten abgestattet. Denn was völlig klar ist: Niemand lässt sich mehr täuschen durch die ständigen gegenseitigen Schuldzuweisungen von Bund, Ländern und Hochschulleitungen. Alle drei Instanzen sind der eine mehr, der andere weniger für die katastrophale Lage des deutschen Bildungssystems verantwortlich.
Ein kleiner Auszug:
-Der Bund z.B. gibt nicht einmal 5 Prozent des Gesamtetats für Bildung aus. Sogar in den nicht gerade als Bildungsweltmeister bekannten USA sind es über 7,5 Prozent. In Island gar 8 Prozent. Damit belegt Deutschland einen der hintersten Plätze aller Industrienationen.

- Die UN hat vor einiger Zeit das deutsche Bildungssystem wortwörtlich als diskriminierend und höchst selektiv bezeichnet. Wenn ein Kind aus einem durchschnittlichen akademischen Haushalt sechsmal mehr Chancen hat Abitur zu machen als ein Kind, dessen beide Eltern einen Migrationshintergrund haben, dann kann man das tatsächlich nur als institutionellen Rassismus bezeichnen

- Seit Einführung der Bachelor/Master-Studiengänge ist der Andrang bei Psycho-Sozialen Beratungsstellen an Hochschulen um 20 Prozent gestiegen. Als Gründe dafür werden die hohe Belastung im Bachelor(v.a. für Studierende mit Kind oder Nebenjobs), der hohe Workload und die Angst vor Versagen angegeben. Dieses Bildungssystem macht demnach also nachweislich krank.

Wer an einer grundsätzlichen Verbesserung des Bildungssystems interessiert ist darf nicht an den Hochschultüren stehen bleiben. Längst beteiligen sich fast überall auch SchülerInnen, Hochschulpersonal, Arbeitende und andere Privatpersonen an den Aktionen für bessere Bildung. Wenn Medien und Politiker von Studierenden-Protesten sprechen, ignorieren sie gewollt oder ungewollt die Dimensionen der Zusammenarbeit mit außeruniversitären Gruppen. Es ist erst fünf Wochen her, dass die Reinigungskräfte in ihrem Arbeitskampf in Berlin von vielen StudentInnen vor Ort unterstützt wurden. Die große Dankbarkeit hierfür ist spürbar durch die praktische Hilfe und Unterstützung der IG BAU und anderen in den derzeit besetzten Hörsälen und anderswo. Einmal mehr zeigt sich: Solidarität ist eine Waffe!

In mittlerweile über fünfzig Städten in Deutschland sind Audimäxe besetzt. Von Weingarten bis Wuppertal. Von Landau bis Lüneburg. Von Passau bis Paderborn und viele mehr. Warum greifen gerade auch durchschnittliche, vorher als nicht sonderlich politisch aufgefallene Studierende zu dieser streng genommen illegalen und auf jeden Fall radikalen Form des Protests?
Aus meiner Sicht sind u.a. folgende drei Hauptbeweggründe ausschlaggebend:

1.Der Versuch durch eine Grenzüberschreitung sich endlich das öffentliche Gehör zu verschaffen, dass offenbar mit konformen Mitteln nicht erreichbar ist.

2.Einen Freiraum für kritische Auseinandersetzung zu schaffen, indem gemeinsame Interessen und eigene Lehrinhalte basisdemokratisch diskutiert und gelehrt werden. Unabhängig von vorgekauten Inhalten und wirtschaftlichen Interessen.

3. Aus dem alltäglichen universitären Wahnsinn auszubrechen und eine Entschleunigung des Hochschullebens zu erreichen

Viele der BesetzerInnen haben gegenüber den Verantwortlichen unmissverständlich klargemacht: Entweder ihr verbessert nachweislich unsere Situation oder ihr müsst uns hier raustragen! Für diesen großen Mut und diese Konsequenz kann man den KommilitonInnen weltweit nur den höchsten Respekt und die höchste Anerkennung aussprechen!

Zum Schluss möchte ich noch ein wenig pathetisch werden:

Der Kampf hat gerade erst begonnen!

Wir haben nichts zu verlieren, außer unserer Ketten!

Wir haben eine Welt zu gewinnen!

Off the beaten track Teil 3

24.8 Brüssel, spätnachmittags an den Etangs bei Le Flagey
„Früher gabs bei Le Flagey(großer Platz in Brüssel-Ixelles) vier oder fünf Imbissbuden, in denen du Zeug kaufen konntest!“ Rick* kaut auf einer Fritte und sieht mich dramatisch und erwartend an. “Krass, Mann!“ antworte ich „ Hab mal in Hamburg gewohnt für ein paar Monate. Da konnteste Gras im Hinterraum einer Videothek kaufen. Bis eines Tages der Hamburger Kiffer-Papst gebustet wurde. Der hat ¾ des Marktes beherrscht!“ Es ist nicht nur Monate, sondern eher Jahre her, dass ich zuletzt was geraucht habe. Ein Fressfilm auf Brüsseler Fritten, denk ich. Das wärs!
Alle Fritten ausserhalb Brüssels heißen ab jetzt nur noch Kartoffelstäbchen für mich. Außen diese Krossheit und innen superweich und kartoffelig. Wenn ich hier wohnen würde, wäre ich ne Tonne! Kurzzeitig überlege ich umzuziehen. Dann fällt mir die Neuköllner Halloumi-Bude auf dem Kottbusser Damm ein.
*Name geändert

Off the beaten track Teil 2

Wien, 30.Juli mittags Autobahnzubringer Wientalstraße
Klappt also doch nicht. Ich stehe in der prallen Mittagssonne mit meinem Schild „Linz-Passau“ am Autobahnzubringer in Wien. Seit einer guten halben Stunde. Trampen ist in der heutigen Zeit einfach nicht mehr möglich. In einer Zeit, inder man sein Leben zum Mitfahren kostenpflichtig in die Hände eines wildfremden Menschen legt. In einer Zeit, in der die Lust am Abentuer von der Angst vor dem mordenden Tramper von „Alarm für Cobra 11“ ersetzt wurde. Gerade als ich anfange mich darüber zu ärgern, dass ich mich schon drei Wochen nicht mehr rasiert habe, bleibt ein bunt bedruckter Sprinter fünf Meter hinter mir stehen. „Jo, wos is jetzt? Kimmst mit?“ Meint der mich? Offensichtlich! „I bin der Dieter! Servus! I hob sowos soiber a scho gmocht als I no jünger woar! Ko di aba nur bis Amstetten mitnehma!“ Ja geil, denk ich. Klappt also doch noch. Zwanzig Wörter, eine Stunde und zehn schlechte Ösi-Volkslieder später stehe ich am Rastplatz nahe Amstetten.

Das Ganze geht wieder von vorne los. Nur, dass ich diesmal Leute gezielt anspreche. Fünfmal, Zehnmal, kein Erfolg! 15 Minuten, eine halbe Stunde, eineinhalb, nichts! Der Schweiß tropft. Ist Amstetten nicht dieser Ort, indem dieser Psychopath seine Tochter zwanzig Jahre lang im Keller eingesperrt hat? Scheiß Kaff, denk ich. Konnte ja nichts werden hier. Die Sonne brennt weiter unbarmherzig. Gefühlte sechzig Grad heiß. „Wohin willst du?“ Ich drehe mich um. Vor mir steht ein kleines, dickliches Männchen mit dunklen Haaren und dunklem Teint. „Nürnberg!“ „Kommst du mit!“ sagt er mit osteuropäischem Akzent. „ Is aufm Weg. Fahren bis Arnheim in Holland. Zu einem Auftritt! Sind Musiker!“ Welch unfassbares Glück! Euch hat der Herrgott geschickt, denk ich. Wie kitschig! Euch das sind das Männchen, seine Frau und sein unwahrscheinlich betrunkener Vater mit hochrotem Kopf in einem feuerroten Gefährt. Und was für eins! Löcher in der Karosserie, ein bedenklich ächzender Motor und vorne eine durchgehende Sitzreihe mit defektem Mittelgurt. Genau da soll ich Platz nehmen. Ich spür meine Halsschlagader, die sich heftig pochend zu Wort meldet. Es gibt zwei Formen von Angst. eine natürliche, die einen vor gefährlichen Situationen warnt und eine irrationale, paranoide, meist unbegründete. Die Mischung aus Beiden sorgt dafür, dass ich hinten „Platz nehme“. Schwerer Fehler! Hinten gibt es gar keinen Gurt und die Bank hebt sich bei jeder kleinen Bremsung aus den Angeln. Der Fahrtwind pfeift durch die Löcher in der Karosserie, was beruhigende Wirkung auf meinen Körper und beunruhigende Wirkung auf meine Psyche hat. Außerdem hab ich durch sie einen recht guten Blick auf die Fahrbahn. Mir wird Vodka und Gypsy-Musik dargeboten. Es ist erstaunlich wie schön ein Mensch singen kann, der nur noch einen Zahn im Mund hat. Diese Gesten der Geselligkeit, die mir unter anderen Umständen sehr willkommen gewesen wären, wirken in dieser Situation wie Vorboten meines baldigen Abgangs. Nur weg hier, denk ich. Zehn Minuten später habe ich meine Höflichkeit überwunden und stehe am nächsten Rastplatz. „Dem Sensenmann gerade nochmal von der Schippe gesprungen“, stammelt die Angst. „Du hast zu viel Alarm für Cobra 11 gesehen!“ spottet der Verstand.

“Est-ce que tu vas a l`Allemagne?” Der Typ im Mercedes-Sprinter sieht mich mitleidig an und winkt mich rein. Es gibt Situationen in denen man sich exorbitant über gut funktionierende schwäbische Automobile freut. „Tu viens ou?“ Ich schäme mich kurzzeitig für meine Französisch-Kenntnisse. “J´habite à Straßbourg!” Volltreffer, jubiliere ich innerlich. Der Typ fährt mich jetzt von Linz bis nach Nürnberg. Yannick, der Pakete aus Frankreich in ganz Europa verteilt, singt lauthals und schief zu den Reggaetunes aus dem Autoradio mit. Aus Afrika, seiner alten Heimat. Was für eine Steigerung: Von Ösi-Volksliedern über besoffene Gypsy-Musik zu Afro-Reggae aus dem Senegal. Ich versuche ihm zu erzählen, dass ich jemanden kenne, die dort arbeitet. Nach einer Minute geb ichs auf. Vier Stunden später stehe ich am Autobahnzubringer in Nürnberg-Langwasser. Wien-Nürnberg 7,5 h-nicht schlecht. „Bonne chance!“-„Merci beaucoup pour conduire!” Oder so… Klappt also doch noch. Welch großartiger Triumph über Cobra 11 und seine Schergen!

Off the beaten track Teil 1

Dies ist eine nicht chronologische Reihe von kurzen Texten über meine Erlebnisse in einem neunwöchigem Roadtrip durch Europa im Sommer 2009.

25.Juli Berlin-Neukölln, morgens

„Raus, einfach nur raus“ denke ich. Raus aus dieser atemlosen Stadt. Raus aus dieser stickigen Hitze die man nur aus diesen monströsen Molochen, beschönigend Metropolen genannt, kennt. Das große schwarze Loch, das vor meinem inneren Auge erscheint, zieht alles was nicht niet- undnagelfest ist in sich hinein und spuckt den ganzen Quatsch an anderer Stelle wieder aus. Die Grenzen von innen und aussen verschwimmen langsam. Wie ein Tropfen Tinte in einem Glas Wasser. Plötzlich wird aus hell dunkel und aus duchsichtig dicht. Oder andersrum. Aus Wut über das Aussen wird die Angst nach Innen. Und aus der entsteht Misstrauen und Paranoia. Es ist grotesk, wie surreal. Raus, einfach nur raus. Und so steige ich nicht nur wegen der Hitze schweißgebadet in den ICE Richtung Süden. Neulich meinte mal irgendwer, dass man über Wasser laufen kann, wenn die Oberfläche mit Sägespänen bedeckt ist. Irgendwie wirkt dieser Gedanke gerade tröstlich.

Präambel des Verfassers

Gebt mir einen Balkon, damit ich zum Volk sprechen kann!;) Dieser Blog soll eine Plattform für politische Aufsätze, Unterhaltendes, Neuigkeiten, Ankündigungen, Artikel, Reviews(Konzerte, Platten, Partys etc.), Reiseberichte oder was auch immer bieten. Gerne veröffentliche ich Texte von Leuten, die Lust haben mitzumachen. Euern Senf könnt ihr aber auch gerne in Form von Kommentaren in der Shoutbox oder bei den Kommentaren dazu geben. Langer Rede, kurzer Sinn: Ich habe jetzt einen Blog! Ich bin jetzt auch wichtig! ;) Viel Spass damit!





Voc, Git : Nora Drums: meiner einer
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